Sparen – nur wo? Die Geographen wissen es …

Stellungnahme des VDSG zur aktuellen Diskussion bezüglich einer möglichen Schließung des Lehramtsstudienganges Geographie an der Universität des Saarlandes

Im Rahmen des finanziellen Konsolidierungs-programms der Landesregierung, das nun auch den Globalhaushalt der Universität des Saarlan-des ins Visier nimmt, werden vielfältige Überle-gungen diskutiert, in welchen Bereichen und in welchem Umfang das „universitäre Sparvorha-ben“ am effektivsten umgesetzt werden könnte. Es ist sicherlich ein Leichtes, die Zukunftsfähigkeit derjenigen Fachrichtungen in Frage zu stellen, die per se in ihrer Ausstattung und wirtschaftlichen Bedeutung bereits im zweiten Glied stehen. So könnte dies auch für die Fachrichtung 5.4 Geographie zutreffen, die aktuell mit nur noch zwei Professuren (jeweils für die Physische Geographie und die Kulturgeographie) ausgestattet, eine sowohl für die saarländische Lehramtsausbildung als auch für die Entwicklungsfähigkeit des Saarlandes bedeutende Rolle spielt und spielen wird.

Dem landläufigen Image der Geographie einer verschwommen, wenig profilierten Wissenschaft, die sich im Fach Erdkunde dem Schema „Stadt – Land – Fluss“ artikuliert, mag an dieser Stelle entschieden entgegen getreten werden. So bietet gerade die Geographie vielfältige Zugänge zu einem vertieften und reflektierenden Verständnis für Mensch und Raum und verbindet in ihrer fächerübergreifenden Arbeitsweise Nahtstellen des privaten, öffentlichen und politischen Lebens miteinander.

Dass nun das Damoklesschwert des Spar-drucks, der bereits in der Vergangenheit die saarländische Geographielehrerausbildung zum Stillstand gebracht hatte, erneut in Erwägung gezogen wird, hat für das Bewusstsein einer regionalen Identität im frankophonen Grenzraum sowohl kulturell-bildungspolitische als auch ökonomische Konsequenzen:

Zum einen ist das Fach Geographie / Erd-kunde bei der Fächerwahl in der Lehramts-ausbildung sehr beliebt, so dass jährlich etwa 500 bis 600 Bewerbungen auf die zur Verfügung stehenden 25 Studienplätze aufgeteilt werden müssen. Eine Schließung des Faches Geographie hat unmittelbar zur Folge, dass sich zukünftige Lehramtsstudierende ihren Studienort nach Gesichtspunkten der zur Verfügung stehenden Fächer auswählen und zu einem Großteil dem Saarland den Rücken kehren werden.

Zum anderen bildet die Fachrichtung Geogra-phie zusammen mit der Fachrichtung Geschichte seit 2001 den einzigen Lehramtsstudiengang für die bilinguale Lehrerausbildung an der Universität des Saarlandes. Dieses Programm ist eines von insgesamt zwei in Deutschland und Frankreich bestehenden gemeinsamen Lehramtsstudiengängen für den Sachfachunterricht in der Sekundarstufe, das von Anbeginn durch die Deutsch-Französische Hochschule finanziell gefördert wird und in den vergangen Jahren positiv evaluiert wurde, so dass die Förderung für weitere fünf Jahre gesichert ist. In idealer Weise fügt sich dieses Studienprogramm in die aktuell von der Lan-desregierung lancierten Frankreichstrategie ein, die eine deutsch-französische Zweisprachigkeit der saarländischen Bevölkerung anstrebt, wodurch nicht zuletzt eine Intensivierung des gemeinsamen grenzüberschreitenden Arbeits-marktes entstehen würde. Diese Zusammenar-beit leistet einen wichtigen Beitrag zur Entwick-lung einer gemeinsamen Identität und zur Gestaltung des gemeinsamen Lebens und Arbeitens in der Großregion. Daher ist es aus unserer Sicht nicht nachzuvollziehen, weshalb ein bestehender Eckpfeiler der Frankreichstrategie im Bildungsbereich den Sparzwängen zum Opfer fallen sollte.

Schließlich ist die Fachrichtung Geographie die einzige an den Hochschulen im Saarland präsente Wissenschaftsdisziplin, die sich mit Fragen der Landeskunde und der Regional-entwicklung – insbesondere der Entwicklung der Grenzraumes – beschäftigt. Dieses für die saarländische Identität wichtige Potential zeigt sich zum einen in einer Vielzahl der wis-senschaftlichen Verflechtungen der Fachrichtung mit Institutionen der Großregion, zum anderen aber auch im spezifischen Angebot der Lehrveranstaltungen. Auf dieser Basis kann sichergestellt werden, dass regionales Wissen durch qualifizierte Lehrerinnen und Lehrer nachhaltig in saarländischen Klassenzimmern getragen wird. … wir blicken mit Spannung auf die bildungspolitischen Diskussionen nach der Sommerpause.

Mit kollegialen GrĂĽĂźen

André Koch, Vorsitzender des Verbandes Deut-scher Schulgeographen e.V. / Saarland